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Der bisher größte Segelflug im einsitzigen Segelflugzeug
Manfred Albrecht, von seinen Freunden Manni genannt, ist mit seiner Frau Gitti seit dem 01.11.2002 in San Martin de los Andes in Argentinien.
San Martin und die Umgebung, nicht unweit von dem bekannten Skiort Bariloche, zählt zu den schönsten Gegenden der Welt,
zahlreiche Seen umgeben von bewaldeten Bergen.
Während Vater Manni in Argentinien auf Rekordjagd ist, wird das St. Wendeler Autohaus von seinen Söhnen Tommy und Sascha,
sowie der Schwiegertochter Angie geführt. Für den Transport der Segelflugzeuge wurde eigens ein 40-Fuß-Container hergerichtet.
Nach 23-tägiger Seefracht ist der Container am 27.10. in Buenos Aires angekommen. Die vier Piloten Klaus Ohlmann, Diether Memmert, Dieter
Krause und Manni Albrecht mit Frau Gitti trafen am 29.10. in Argentinien ein.
Nach 2 Tagen war es endgültig geschafft den Container aus dem Zoll zu bekommen und weiter ging die Reise per LKW über 1600 km
zum Airport Chapelco, ca. 26 km von San Martin de los Andes.
Mit Spezialstützen wurde der Container nach dreistündiger Arbeit abgeladen, der nächste Kran hätte aus einem 400 km entfernten Ölfeld
anfahren müssen. Sofort wurden die Segelflugzeuge entladen und montiert. Am nächsten Tag wurden dann die ersten Erkundungsflüge unternommen,
um mit der neuen Umgebung vertraut zu werden. So flog Manni Albrecht am 05.11. 726 km, am 07.11. 908 km,
am 09.11. 807 km und am 11.11. seinen bisher größten Flug mit 1353 km und einer Flugzeit von 14 Stunden und
15 Minuten.
Aber das sollte nicht der größte Flug bleiben. Am 12.11. hat Klaus Ohlmann mit seinem Nimbus 4D, einen neuen Weltrekord von
2640 km aufgestellt und ist auf dem ca. 400 km entfernten Airport Malargue gelandet. Diether Memmert flog am gleichen Tag mit
der ASH 26 E 1893 km mit Landung in Chapelco.
Nach den Wettervorhersagen sollte der 13.11. nochmals ein Starkwindtag werden. Manni Albrecht hatte am Vorabend alle Vorbereitungen für einen
langen Flug getroffen. Sauerstoff aufgefüllt, Batterien für die Instrumentierung und Fußsohlenheizung aufgeladen, Verpflegung - Müsliriegel, Äpfel,
Karotten und 2,5 Liter Wasser - wurden bereitgestellt.
Nachdem der Wecker um 4:00 Uhr klingelte und nach einem ausgiebigen Frühstück, ging die Fahrt zum 26 km entfernten Flugplatz.
Um 5:15 angekommen wurde das Fahrzeug mit dem Scheinwerferlicht und laufendem Motor auf das Flugzeug ausgerichtet.
Ein Helfer betätigte beim Schließen der Tür die Zentralverriegelung und sie waren ausgesperrt. Erst nachdem es hell wurde konnte das Fahrzeug
geöffnet und die Startvorbereitungen fortgesetzt werden.
Endlich nach 0,5 Stunden Verspätung startete Manni Albrecht um 6:24. Der Kurs ging zuerst nach Süden.
Nachdem die Freigabe von Bariloche zum Durchflug der Kontrollzone erteilt wurde, musste Manni Albrecht feststellen, dass die Wahl nach Süden falsch war.
Die Berge im Süden waren von Wolken eingehüllt und es regnete. In ca. 500 m Höhe begann dann der Kampf mit dem im Lee der Berge
entstehenden Rotoren.
Bei einer Windgeschwindigkeit von 80 km/h und böigen Aufwinden von 11m/s (40 km/h ) konnte nach 30 Minuten harter
Arbeit die sichere Höhe von 4500 m erreicht werden, wobei nicht vergessen werden darf, bei 3500m die Sauerstoffanlage einzuschalten.
An Bord befinden sich zwei getrennte Sauerstoffanlagen, eine Hauptanlage mit 18 Stunden Sauerstoff und eine Reserveanlage mit 12 Stunden.
In 7000 m bleiben noch 2 Minuten Handlungszeit bis zur Bewusstlosigkeit und in 8000 m nur noch 30 Sekunden.
Aus diesem Grund schaltet Manni Albrecht die Reserveanlage aus Sicherheitsgründen bei Überschreitung von 7000 m parallel dazu.
Der Flug ging dann in Richtung Norden über den Flugplatz Zapalla und Chaos Malal hinaus, in 3:13 Stunden wurden 478 km zurückgelegt.
Jetzt ging es nach Süden, 465 km in 2:27 Stunden in Höhen bis 8000 m bei Windgeschwindigkeiten bis 100 km/h
und Temperaturen von minus 28° C. So extrem wie in Argentinien und auch so wunderschön hatte er noch keinen Segelflug erlebt.
Die Getränke und Verpflegung müssen vor Genuss mit der eigenen Körpertemperatur angewärmt, bzw. aufgetaut werden.
Nach 14:25 Stunden und 2311 km mit einem Gesamtschnitt von 177,9 km/h, wobei Einzelschnitte von 213 km/h und
Höchstgeschwindigkeiten von 375 km/h erzielt wurden, landete Manni Albrecht auf dem 75 km entfernten Flugplatz Las Colorados.
Das Wetter hatte sich in Chapelco so verschlechtert, so dass eine sichere Landung nicht mehr gegeben war.
Der Flugplatz Las Colorados wird schon seit Jahren nicht mehr benutzt und die Graspiste ist mit Distelbüschen übersät. Nach geglückter Landung bei
einer Windstärke von 60 km/h leicht von der Seite und Böen bis zu 85 km/h konnte Manni Albrecht das Flugzeug nicht verlassen ohne Gefahr zu laufen,
dass der Wind das Flugzeug umwirft. So verbrachte er die Nacht bei Starkregen im engen Cockpit seines Segelflugzeuges. Die Qualen wurden von dem
Erfolgserlebnis verdrängt. Er war nun der 1. Pilot weltweit, der mit einem Segelflugzeug mit 18 m Spannweite über 2000 km geflogen war
und der 4. Pilot weltweit, der die magische Zahl von 2000 km überschritten hatte.
Der Streckenverlauf in der Übersicht:
Höhen über 8000 m
Fotos: Fam. Albrecht
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